Staatstheater Nürnberg
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Ballett

Swerve

Sonntag, 21.06.2026

19.00 - 20.00 Uhr

Z-Bau

swerve

In „Swerve“ verlassen die Tänzerinnen des Staatstheater Nürnberg Ballet of Difference die Bühne des Opernhauses und begeben sich auf neues Terrain. Dieser Abend mit fünf Arbeiten, geschaffen von Mitgliedern des Ensembles, entfaltet sich in einem der beliebtesten Orte Nürnbergs für alternative Kunst und Kultur: dem Z‑Bau.

Der Titel des Abends signalisiert eine Richtungsänderung – ein Abweichen vom gewohnten Pfad. Dieser Wechsel ist sowohl wörtlich als auch künstlerisch zu verstehen: vom Opernhaus in ein Club‑Setting und von international renommierten Choreograf
innen hin zu den aufstrebenden Stimmen aus den eigenen Reihen. Solche Abweichungen liegen im Kern des Selbstverständnisses, das Ballet of Difference antreibt. In diesem Sinne wird „Swerve“ zu einer Gelegenheit für die Tänzer*innen, die Mission der Compagnie – zu der auch die Vernetzung mit städtischen Institutionen und der breiteren Kulturszene gehört – aus ihrer eigenen kreativen Perspektive zu interpretieren und weiterzuführen.

Jede der Arbeiten setzt sich nicht nur mit den Prinzipien von Ballet of Difference auseinander, sondern auch mit dem besonderen Charakter des Z‑Bau selbst. Der Raum wird zum aktiven Mitgestalter: Er formt die Stücke, während die Choreografie zugleich die Umgebung um sie herum verwandelt.

Foto © Sebastian Lock

Beschreibung

Margarida Neto: „Back Home“

„Back Home“ ist ein intimes Tanz- und experimentelles Musikstück, das die Sehnsucht als eine Art magnetische Kraft erforscht. Eine Kraft, die uns nach innen zieht und zugleich an einen Ort außerhalb von uns, zu dem wir uns hingezogen fühlen. Ein Ort, den wir unser Eigen nennen möchten. In diesem Werk geht es bei Sehnsucht nicht um Besitz, sondern um ein Bewohnen: um die Suche nach einem Raum, an dem wir freiwillig stundenlang verweilen möchten.

Das Stück taucht in die Vorstellung ein, dass uns bestimmte Situationen oder Verbindungen vertraut erscheinen – nicht, weil sie sich wiederholen, sondern weil sie etwas tief im Körper Verwurzeltes wachrufen.

„Back Home“ stellt die Frage: Wirst du dasselbe begehren, wenn du längst ein anderer Mensch geworden bist?

Die Live-Musik begleitet das Geschehen und verstärkt die emotionale Ebene der Erzählung. Die Stimme verkörpert das innere Bewusstsein bzw. Unterbewusstsein der Frau, während das Klavier – live gespielt von Thomas Wansing – den inneren Suchprozess des Mannes fokussiert.

Pier-Loup Lacour: „Perspectives“

„Perspectives“ ist ein Stück, das untersucht, wie die Wahrnehmung eines Publikums geformt werden kann. Im Zentrum steht die wiederkehrende Präsentation eines einzigen Duetts. Das Werk erforscht, wie sich Emotion und Bedeutung einer Choreografie verändern, wenn identische Bewegungsabläufe in völlig unterschiedliche theatralische Kontexte gesetzt werden.

Der Tanz lädt die Zuschauerinnen und Zuschauer dazu ein, darüber nachzudenken, wie leicht sich Gefühle lenken lassen – und was dies über den Akt des Betrachtens von Kunst offenbart.

Beatriz Hack-Canabal: „The Weight of Stepping“

„The Weight of Stepping“ ist inspiriert von Viagem à Antártida (Reise in die Antarktis), einem Tagebuch, das von Eliane Brum – einer der einflussreichsten Journalistinnen Brasiliens – in El País veröffentlicht wurde. In diesem Text reflektiert Brum über die Bedeutung und die Folgen unseres Daseins in der Welt. Sie thematisiert das physische und symbolische Gewicht unseres Handelns und die Spuren, die wir hinterlassen – aneinander und auf dem Planeten.

Jede Handlung, jede Entscheidung zieht Konsequenzen nach sich. Doch auf einer Reise an einen der unberührtesten Orte der Erde wird dieses Bewusstsein radikal greifbar. In der Antarktis ist der Einfluss menschlicher Präsenz nicht länger abstrakt; er ist unmittelbar, fragil und unbestreitbar.

Bevor sie diese Reise antritt, schreibt Brum, die im Amazonasgebiet lebt: „Heute, im 21. Jahrhundert, besteht unsere Herausforderung darin, die Auswirkungen menschlichen Handelns zu messen, das das Klima des Planeten verändert hat, und Wege zu finden, es zu reduzieren. Ich lasse einen Wald zurück, der in Aufruhr ist, immer näher am Punkt ohne Wiederkehr, um mich in ein Universum zu begeben, das im wahrsten Sinne des Wortes schmilzt.“

Oscar Alonso: „Tinnitus“

„Tinnitus“ ist ein zeitgenössisches Tanzstück, das die körperliche und emotionale Erfahrung des Lebens mit einem chronischen inneren Geräusch erforscht. Das Werk widmet sich der Spannung, die diese Beeinträchtigung hervorruft, und zeichnet einen Weg von Unruhe und Erschöpfung hin zu Momenten der Erleichterung nach. Durch eine neu entwickelte elektronische Klanglandschaft und einen kollaborativen choreografischen Prozess stellt „Tinnitus“ die Frage, wie Musik und Bewegung uns dabei unterstützen können, mit dem inneren Lärm umzugehen – und ihn für kurze Augenblicke zum Verstummen zu bringen.

Livia Gil

Die Erforschung von Körpern der Tänzerinnen und der Kraft der Musik bildet den Ausgangspunkt dieses Werks. Es untersucht, wie klassische Musik und zeitgenössische Sensibilitäten sich durch Bewegung, Raum und Wahrnehmung miteinander verbinden. Ausgehend von der ikonischen Eröffnungs-Arie der „Goldberg-Variationen“ von Johann Sebastian Bach entfaltet sich das Stück über eine neu imaginierte Komposition von Paul Calderone und eine abstrakte physische Sprache, die von Wiederholung, Variation sowie feinen Verschiebungen in Verbindung und Ausrichtung geprägt ist.

Speziell für die Architektur des Z Bau entwickelt, begreift das Werk den Raum als aktiven choreografischen Partner und ermöglicht eine fließende Nähe zwischen Performer
innen und Publikum. Die Atmosphäre des Ortes schafft Bedingungen, in denen Aufmerksamkeit, Präsenz und Begegnung sich fortwährend neu verhandeln – im Einklang mit inklusiven Werten und einem demokratischen Verständnis von Tanz und Kultur.

In der Tradition verwurzelt und zugleich auf der Suche nach Erneuerung, stellt das Stück die Frage, wie überlieferte Formen lebendig bleiben können – und wie das Klassische herausgefordert werden darf, um uns dennoch zu neuen, authentischen Ausdrucksweisen zu führen.

Termine und Besetzung

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