Staatstheater Nürnberg
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Schauspiel

Was Ihr wollt

von William Shakespeare

Regie: Clara Weyde

Donnerstag, 23.07.2020

19:30 Uhr

Schauspielhaus

Abo C

In Illyrien ist man chronisch trunken – vom Wein wie von der Liebe. Man berauscht sich an Musik, liebt und prügelt sich. Trotzdem herrschen Schwermut und Stagnation. Denn Orsino, der das Reich regiert, liebt Gräfin Olivia. Die unerfüllte Sehnsucht lähmt das Land. Erst als ein Schiffsunglück Viola an den Strand spült, kommt etwas in Bewegung. Als Mann verkleidet tritt sie in den Dienst des Prinzen, verführt als sein Liebesbote erst Olivia mit androgynem Charme, verwirrt dann aber auch Orsino selbst und seine partysüchtige Hofgesellschaft. Bald weiß keiner mehr, wer er ist, ob Mann oder Frau, und sie verirren sich im Netz von Verkleidung und Spiel, Ernst und Wirklichkeit.

Beschreibung

In einer Zeit, in der Geschlecht und vor allem die Geschlechterrollenbilder so fluide sind, wie wohl nie zuvor, ist Shakespeares 1602 uraufgeführte Komödie um ein Zwillingspaar verblüffend aktuell: Anarchische Auflösung von Gewissheiten und verborgenste Gelüste einer selbstverliebten Gesellschaft sind ihr Thema, die Umkehrung sozialer Regeln und Aufhebung von Normen in einer Welt von Rausch, Verführung, Musik und Poesie. Das Stück erzählt vom zunächst aus Not gewählten, dann aber immer lustvoller ausgelebten Neustart einer jungen Frau in der Maske eines jungen Mannes und von der fundamentalen Verwirrung, die sie mit ihrer geschlechtlichen Uneindeutigkeit um sich herum auslöst. Männer wie Frauen fühlen sich von dem androgynen Wesen angezogen. Plötzlich ist fast jeder irgendwie verliebt – und niemand weiß am Ende so recht, wer der oder die angebetete Andere (und wer man selber) wirklich ist. Da gehen hetero- und homoerotische Neigung ineinander über, wird der Blick auf Ungeahntes frei und so die Frage aufgeworfen, welche Sehnsüchte man sich, mit solcher Freiheit, wohl erlauben könnte, was man will, „was ihr wollt“.
Im englischen Original heißt das Stück „Twelfth Night or What you will“. Die erste Titelhälfte verweist dabei weniger auf den Stückinhalt als auf einen (Aufführungs-)Anlass. Das mit dem Dreikönigstag markierte Ende der Weihnachtszeit war nach mittelalterlicher Tradition eine Zeit, die man vor allem mit fastnächtlicher Ausgelassenheit verband: ein „Lord of Misrule“ übernahm während der rituellen Grenzüberschreitungen vorübergehend die Macht, man spielte verkehrte Welt, und der letzte Tag der offiziellen Unordnung war Anlass für Musik, Verkleidung und andere Lustbarkeiten. All dies schwang für ein zeitgenössisches Publikum also mit. „What you will“ wiederum zeigt eine gewisse „Interpretierbarkeit“ des Angebots an, die auch der Inhalt impliziert: Geht es im Stück darum, dem Publikum einen Spiegel vorzuhalten, der ihm eigene Begehrlichkeiten kenntlich macht? Will der Autor souverän andeuten, er wisse genau, was man sich wünscht oder auch egal, was man sich wünsche, in diesem Stück werde man es – oder jedenfalls etwas – schon finden?
So feierfreudig, verwirrend, in alle Richtungen offen und verführerisch wie der Titel ist auch Shakespeares melancholisch-existenzielles wie sprachspielerisch bis zur puren Albernheit überbordendes Stück.

Das Spiel um Rollenbilder und Geschlechteridentitäten inszeniert die junge Regisseurin Clara Weyde, deren bilderreiche, assoziative Bühnensprache schon in E.T.A. Hoffmanns „Sandmann“ zu erleben ist.

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