Staatstheater Nürnberg
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Schauspiel

Andi Eu­ro­pä­er (UA)

Eine Völkerschau von Philipp Löhle

Regie: Tina Lanik

Donnerstag, 06.02.2020

19:30 Uhr

Kammerspiele

Abo K4

„Man kann nicht gegen etwas werben, nur für etwas“, weiß Andi, „erstes Semester Kommunikationswissenschaft!“ Trotzdem ist er als Exponat „Berliner Hipster“ in Philipp Löhles satirischer „Völkerschau“ Teil einer Kampagne, in der ein Querschnitt Deutschlands (vom Jägerzauninhaber bis zur ostdeutschen Frisöse) durch Afrika fährt, um die dortige Bevölkerung von einer Flucht nach Europa abzuhalten. Dass das Auswärtige Amt seit 2015 tatsächlich Informationsveranstaltungen mit diesem Ziel durchführt, nimmt der Nürnberger Hausautor zum Ausgangspunkt seiner so amüsanten wie abgründigen Analyse des Zustands der deutschen Seele zwischen Zukunftsangst, innerer Zerrissenheit und postkolonialem Größenwahn.

Beschreibung

„Seit 2015 werden im Auftrag des Auswärtigen Amtes in ganz Afrika Informationsveranstaltungen durchgeführt, die Afrikaner davon abhalten sollen, die Flucht nach Europa anzutreten. – Ist wirklich so!“

Diese kurze Vorbemerkung leitet das neueste Stück des Nürnberger Hausautors Philipp Löhle ein. Auf der Höhe aktueller gesellschaftlicher Diskurse übt er in seinen Antikapitalismus-Grotesken und skurrilen, bisweilen sarkastischen Tragikomödien leichthändig Systemkritik. Humorvoll den Finger in offene Wunden legend, lässt er schräge Gestalten aufeinandertreffen. Oft sind sie Außenseiter, Eigenbrötler oder Spinner. Ganz anders nun „Andi“: Die titelgebende Hauptfigur des neuen Stücks „Andi Europäer“ ist geradezu ein Vorzeigeexemplar (im Wortsinne!) aus der „Mitte der Gesellschaft“. Gemeinsam mit einigen Anderen ist er als (etwas willkürlich zusammengestellter) Querschnitt Deutschlands Teil einer „Völkerschau“ mit umgekehrten Vorzeichen. Diente in Zeiten des Kolonialismus die mehr oder minder inszenierte Zurschaustellung „exotischer Völker“ der Demonstration von Andersartigkeit (und dabei oftmals wenig subtil der europäischen Selbstversicherung als „rassisch wie kulturell überlegen“), so nutzt Löhle die nicht eben animierende Vorführung des „deutschen Nationalcharakters“ nun zur ironischen Selbstentlarvung eines Landes und seiner so vielzitierten wie -geschmähten „Willkommenskultur“. Auch hier geht es ganz klar um eine Inszenierung von „Andersartigkeit“ – allerdings zum Zwecke der Abschreckung: die innere Zerrissenheit des Berliner Hipsters zwischen unerfüllten Sehnsüchten, endloser Dauerstressschleife und uneindeutiger geschlechtlicher Identität taugt dazu ebenso wie die „abgehängte“, ostdeutsche, alleinerziehende Friseurin am Rande des Nervenzusammenbruchs und des Existenzminimums. Vorteile und Grenzen der „offenen Gesellschaft“ werden im Stück ebenso gestreift („ein kompliziertes Konzept… überlegen sie sich also lieber, ob sie mit klareren Strukturen nicht besser dran sind“) wie Entsprechungen zwischen deutscher Sprache („klingt, wie wenn man mit dem Auto wo gegenfährt“) und der damit eng verknüpften Härte, Zackigkeit und Kälte deutscher Mentalität. Und so wie die „Völkerschau“ einst weniger auf wirkliche Beschäftigung mit anderen Kulturen abzielte, sondern zumeist vor allem europäische Klischeevorstellungen bediente, wird in Löhles satirisch überspitzter Konstruktion aus der Lehrstunde zu Deutschland zwischen „Personality, History, Geografie, Kulinarischem“ eine Anti-Werbekampagne, die vor allem für uns „Beworbene“ erhellend ist – als ebenso amüsante wie abgründige Analyse eines Landes zwischen Zukunftsangst, innerer Zerrissenheit und postkolonialem Größenwahn. Und: „Abschiebeverfahren – das machen wir ganz am Schluss“…

Team

Regie

Bühne und Kostüme

Dramaturgie

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