Staatstheater Nürnberg
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Schauspiel

Am­phi­try­on

von Heinrich von Kleist nach Molière

Regie: Anne Lenk

Freitag, 08.05.2020

19:30 Uhr

19:00 Uhr Einführung

Schauspielhaus

Abo F

Jupiter nimmt die Gestalt Amphitryons an, um dessen Gattin Alkmene zu verführen. Damit löst der von allen #MeToo-Debatten noch gänzlich unbehelligte Göttervater ein Verwechslungsspiel aus, dessen Komik allerdings schon bei Molière nicht ohne Gewalt und Schmerz auskam. In Kleists tiefgründiger Bearbeitung gerät das „Ich“ dann ganz grundsätzlich in die Krise. Hausregisseurin Anne Lenk interessiert sich im Zeitalter der Simulation für die Lebensentwürfe von Menschen, die ihr Glück in der Optimierung suchen und sich dabei – durchaus auch komisch – immer wieder selbst verlieren.

Beschreibung

Die Geschichte des Göttervaters Jupiter, dessen erotische Begehrlichkeit ihn ins Bett der sterblichen Alkmene führt, wurde schon in der Antike bearbeitet und hat seitdem in zahlreichen Varianten Einzug in Kunst und Literatur gefunden. Heinrich von Kleists Version, entstanden aus einer ursprünglich nur als Übersetzung geplanten Bearbeitung der Gesellschaftskomödie von Molière, gilt bis heute als literarischer Höhepunkt der Auseinandersetzung mit dem Stoff.

Der Plot folgt allen Regeln einer klassischen Verwechslungskomödie. Jupiter, für seine sexuelle Umtriebigkeit berühmt und berüchtigt, hat ein Auge auf Alkmene geworfen. In Gestalt ihres Ehemanns Amphitryon täuscht er dessen frühzeitige Rückkehr aus der Schlacht vor und erschleicht sich eine (durch weitere Tricks um etliche Stunden verlängerte) Liebesnacht mit der um diese Umstände sich ebenso im Unklaren befindenden, wie vom Ereignis selbst berauschten Alkmene.

Ausgelöst wird Jupiters Interesse an dieser Liaison ganz offensichtlich nicht nur durch die körperlichen Vorzüge seiner Auserwählten, sondern durch deren hingebungsvolle Liebe und Treue gegenüber Amphitryon, der als siegreicher Feldherr, genau wie seine Ehefrau, alle Tugenden seines Geschlechts – zumindest im Sinne der traditionellen Rollenzuschreibungen – auf sich vereinigt. Ist es Eifersucht, die den Unsterblichen zu den Menschen treibt, oder sein Zorn über die selbstverliebte und selbstgerechte Perfektion ihrer Selbst- und Lebensentwürfe? Jedenfalls nimmt es Jupiter nicht nur in Kauf, dass die von ihm Heimgesuchten in völlige Verzweiflung über sich selbst und ihre Beziehungen untereinander geraten, nein, er legt es ziemlich perfide sogar genau darauf an. Der Stoff erlaubt eine gedankliche Konstruktion, die Kleist als erster radikal ausgelotet hat. Seine Tragikomödie ist eine philosophische Ergründung des „Ich“, das bei ihm grundlegend ins Wanken gerät und das von allen Figuren so existenziell in Frage gestellt werden muss, dass auch ein noch so glorioses (buchstäblich vom deus ex machina herbeizitiertes) Happy End keine Erlösung mehr versprechen kann. Da, wo das Urvertrauen in die eigene Identität einmal verloren gegangen ist, gibt es keine vollständige Heilung mehr und damit konstatiert Kleist schon vor der Zeit die mentale Grundbedingung des modernen Menschen. Die Sprache, die er für diese tieftraurige, ihn selbst in Verzweiflung stürzende Wahrheit fand, ist von tröstlicher Schönheit.

Team

Regie

Bühne

Kostüme

Dramaturgie

Termine und Besetzung

Mai 2020

  • Fr., 08.05.2020, 19:30 Uhr

Juli 2020

Zusätzliche Informationen

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