Staatstheater Nürnberg
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Import/Export-Café online: Haltung zeigen

Wie Rechtspopulisten den Diskurs verschieben und man sich dazu verhalten kann.

Auch in Zeiten der Pandemie möchte das Staatstheater Nürnberg den Dialog mit dem Publikum weiterführen und die Möglichkeit zu öffentlicher Versammlung und gemeinsamem Austausch bieten, die in diesen Tagen so sehr fehlt. Das Import/Export-Café als Austausch- und Begegnungsraum für die diverse Stadtgesellschaft wird daher im Rahmen der Aktionstage der „Vielen“ am 8. und 9. Mai ins Netz verlegt.

„Wir leben in einer Meinungsdiktatur“, „Uns steht eine Umvolkung bevor“, „Wir müssen uns unser Land zurückholen.“ Eben noch dachte man, das seien Minderheitenmeinungen dubioser Kleinstparteien und plötzlich sitzt der eigene Onkel am Küchentisch und sagt lauter Dinge, „die man ja wohl noch sagen darf!“. Rechtspopulistinnen kämpfen überall erfolgreich um Aufmerksamkeit und Deutungshoheit. Ihre Narrative setzen sich durch. Aber wie genau funktioniert diese Diskursverschiebung nach rechts? Und noch viel wichtiger: Wie kann man sich im Sinne einer offenen und demokratischen Gesellschaft dazu verhalten?

In drei Videokonferenzschaltungen können sich Interessierte nach vorheriger Anmeldung unter schauspiel@staatstheater-nuernberg.de an den Diskussionen zum Thema „Haltung zeigen. Wie Rechte den Diskurs verschieben und man sich dazu verhalten kann“ beteiligen – oder auch einfach zuhören. Der jeweilige Treffpunkt im Netz wird den Teilnehmer*innen nach Anmeldung mitgeteilt. Anmeldungen sind auch kurz vor Veranstaltungsbeginn noch möglich.

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Digitale Versammlungen im Rahmen der Aktionstage der „Vielen“ am 8. und 9. Mai 2020

Freitag, 8. Mai, 16.30 Uhr: Am Rand / Die Neue Rechte

Zur Einführung in die Thematik spricht die Politikwissenschaftlerin Carina Book über die sogenannte “Neue Rechte”. Wie ist sie aufgestellt? Wie ist ihr Vorgehen? Wie funktioniert die Verschiebung des Diskurses genau? Als Impuls lesen Ensemblemitglieder Ausschnitte aus Philipp Löhles „Am Rand“, ein Stück, das zeigt, wie schnell sich eine Gesellschaft verändern kann, wenn sich die entsprechenden Narrative durchsetzen. Anschließend ist Raum für Gespräch.

Carina Book, geb. 1990, ist Politikwissenschaftlerin und Referentin in der politischen Bildung. Sie forscht und publiziert derzeit zur Entwicklung und Ideologie der "Neuen Rechten". Zudem beschäftigen sie die Ursachen für das globale Erstarken rechter Kräfte und die Auswirkungen dessen auf demokratische Gesellschaften.

Samstag, 9. Mai, 11.00 Uhr: Haltung zeigen – aber wie? Teil 1: Workshop

Wir alle kennen das: Auf der Arbeit, im Sportverein, in der Familie oder auf der Straße fallen Sprüche, die uns die Sprache verschlagen. Später ärgern wir uns, denken, da hätten wir gerne den Mund aufgemacht, widersprochen, die rechten Parolen nicht einfach so stehen lassen. Hier setzt dieses Webinar an. Es soll Menschen in die Lage versetzen, die Schrecksekunde zu überwinden, Position zu beziehen und deutlich zu machen: Das nehmen wir nicht länger hin! In Theorie und Praxis werden gängige rechte Positionen untersucht und geübt, das Wort zu ergreifen und für solidarische Alternativen zu streiten statt für Ausgrenzung und Rassismus.

Begrenzte Teilnehmer*innenzahl! Wir bitten hier um frühzeitige Anmeldung.

Technische Voraussetzungen: Um Interaktion zu ermöglichen und für alle Teilnehmenden einen sicheren Raum zu gewährleisten, ist es wichtig, dass sich alle sehen und hören können. Daher ist eine Teilnahme nur mit laufender Webcam möglich und es sollte ein Mikrofon (am besten Headset) vorhanden sein.

Samstag, 9. Mai, 17.00 Uhr: Haltung zeigen – aber wie? Teil 2: Gespräch

Welche Möglichkeiten hat man, sich gegen eine Diskursverschiebung nach rechts zu stellen? Was ist der richtige Weg, Haltung zu zeigen? Und gibt es ihn überhaupt? Darüber wollen wir mit Expert*innen und Ihnen sprechen.

Im ersten Teil der Veranstaltung liest der Journalist und Autor Hasnain Kazim aus seinem Buch „Auf sie mit Gebrüll… und mit guten Argumenten“. Eine dringend benötigte Anleitung für all die Diskussionen, denen wir sonst lieber aus dem Weg gehen – und sehr unterhaltsam noch dazu. Darauf aufbauend folgt eine Gesprächsrunde mit Carina Book, Hasnain Kazim, dem Journalisten Jonas Miller, Experte für die rechte Szene in Nordbayern und der slowenischen Dramaturgin Urška Brodar.

Hasnain Kazim ist gebürtiger Oldenburger und Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer. Er wuchs im Alten Land, vor den Toren Hamburgs, und in Karatschi in Pakistan auf, studierte Politikwissenschaften und schlug eine Laufbahn als Marineoffizier ein. Er liebt Grünkohl und Curry, aber nicht zusammen. Das journalistische Handwerk lernte er im Schwäbischen, bei der »Heilbronner Stimme«, schrieb unter anderem für das dpa-Südasienbüro in Delhi und von 2004 bis 2019 für den SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE, die meiste Zeit davon als Auslandskorrespondent in Islamabad, Istanbul und Wien. Für seine Arbeit wurde er mit diversen Preisen ausgezeichnet, darunter dem »CNN Journalist Award«. Er lebt als freier Autor nach wie vor in der österreichischen Hauptstadt und hat mehrere Bücher veröffentlich, darunter »Grünkohl und Curry«, »Plötzlich Pakistan« und »Krisenstaat Türkei«. Das Taschenbuch »Post von Karlheinz« (2018), das seine Dialoge mit wütenden Lesern versammelt, stand viele Wochen auf der Bestsellerliste.

Jonas Miller wohnt, arbeitet und lebt in Bayern. Als freier Journalist ist er für Rundfunk (Fernsehen, Hörfunk), Zeitungen, Magazine und Onlinemedien tätig unter anderem für den Bayerischen Rundfunk und ZEIT ONLINE.
Der Bayerische Rundfunk (BR) hat in Zusammenarbeit mit den Nürnberger Nachrichten (NN) ein investigatives Rechercheteam gegründet, dem Jonas Miller angehört. Das Team befasst sich insbesondere mit der rechtsextremen Terrorzelle NSU und deren Verstrickungen nach Süddeutschland. Für den NSU-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages erstellte der Journalist ein Gutachten über die nordbayerische Neonazi-Szene und deren Verflechtungen mit dem NSU-Umfeld.

Urška Brodar ist Dramaturgin und Übersetzerin. Sie lebte lange in Berlin und kennt die deutsche Theaterszene ebenso gut, wie die slowenische. Neben vielen Arbeiten in der freien slowenischen Theaterszene arbeitet sie als Dramaturgin am Mladinsko Theater in Ljubliana. Das Theater, das sich als offenes, freies und politisches Haus versteht, sieht sich zunehmend mit Anfeindungen konfrontiert. Seit im März eine rechte Regierung gewählt wurde, sieht es, wie die gesamte slowenische Kulturszene, nicht nur wegen der Corona Pandemie einer ungewissen Zukunft entgegen.

Foto © kallejipp/photocase.de

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